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Zur Philosophie der Behandlung kindlicher Schmerzen



Den Unbefangenen mag es erstaunen, dass die Schmerzbehandlung im Kindesalter an-geblich in der medizinisch hoch gerüsteten Bundesrepublik noch immer ein Stiefkind ist. Hierzu muss dem Interessierten ein wenig Medizinhistorie zugemutet werden:

Noch vor 3 Jahrzehnten, als für Erwachsene längst das Ideal einer vollkommen Bewusstsein- und Schmerz ausschaltenden Anästhesie bei Operati-onen akzeptiertes ärztliches Allgemeingut war, war dies für Kinder keineswegs selbstverständlich.

Tiefe Narkose mit effektiver Schmerzausschaltung galt besonders bei Früh- und Neugeborenen als besonders gefährlich. Schlimmer noch, eine ältere Medizinergeneration hielt sie in diesem Lebens-alter für verzichtbar.

Gleiches galt für die Intensivmedizin, in der sich im

Laufe der letzten Jahre eine effektive Abschirmung gegen Stress und Schmerz als integrativer Be-standteil einer guten Intensivtherapie erwiesen hat. Auch diese Erkenntnis hat im Bereich der Neuge-borenen- und Kinderintensivmedizin mit zeitlicher Verzögerung Fuß gefasst.

Noch heute gibt es pädiatrische Intensivstationen, in denen Stress und Unruhe der Kleinen eher mit einer vagen "Krampfbereitschaft" des kindlichen Hirns, als mit der normalen Reaktion auf schmerz-hafte und unangenehme medizinische Behandlung erklärt und entsprechend ineffektiv behandelt wer-den.

Es hat sich aber eindeutig gezeigt, dass selbst kleinste Kinder Schmerzen und Stress sehr intensiv erleben und, dass eine effektive, auf das Kind und seine Situation abgestimmte Schmerztherapie sich derselben Schmerzmittel und Verfahren, wie beim erwachsenen Patienten bedienen kann und muss. Das berühmte "Schmerzzäpfchen" hat bei kindlich-em Schmerz zwar nicht ausgedient, kann aber bei schweren Schmerzen höchstens ergänzend zu einer echten Schmerztherapie eingesetzt werden.

Damit diese Erkenntnis professionell und sicher zunehmend in der Praxis des Alltags in Kliniken, ambulanten Zentren und bei Kinder- und Hausärz-ten etabliert wird, ist es die Aufgabe und Pflicht des Vereins "Arbeitskreis Schmerz im Kindesalter e.V.", sich für die Verbesserung der Schmerztherapie bei Kindern einzusetzen.